Kreditmanagement im Baustoffhandel
Rahmenbedingungen
Die Ausweitung der Geschäfte zum Baustoffhandel mit gewerblichen und privaten Abnehmern erforderte die Ergänzung der klassischen Debitorenbuchhaltung um Aufgaben wie Bonitätsprüfung, externe Informationsbeschaffung und Kreditlimitfestlegung.
Die in Deutschland ab 1991 permanent steigenden Insolvenzzahlen und die seit Mitte der 90er Jahre andauernde Krise der Baubranche verlangten darüber hinaus Methoden und Instrumente zur aktiven Außenstandsbearbeitung im gesamten Leistungsprozess des Baustoffhandels.
Den Veränderungen im Zahlungsverhalten (Zahlungsfähigkeit) der gesamten Wirtschaft und der gewandelten gesellschaftlichen Einstellung zum Umgang mit Gläubigern („Zahlungsmoral“) musste ebenfalls Rechnung getragen werden.
Die Marktsituation, Struktur und Organisation des Unternehmens waren für die geplanten Änderungen im Kreditmanagement gleichwertig zu berücksichtigen und mit den Prozessen in Einklang zu bringen.
Der Umsatz wird dezentral an rd. 400 Standorten, die in 10 Spartenregionen organisiert sind, erzielt. Zum Kundenstamm zählen etwa 150.000 Unternehmen der gesamten Baubranche sowie einige zehntausend private Bauherren als Profis auf Zeit.
Dazu wird die Administration für die Bereiche Finanzbuchhaltung, Personal und Kreditmanagement in Regionalen Verwaltungszentren nahe an den Vertriebsleitungen abgewickelt.
Ziele für das Kreditmanagement
Die Unternehmensleitung gab neben den in allen Unternehmen üblichen Zielen wie Minimierung der Forderungsausfälle, Reduzierung des durch Forderungen gebundenen Kapitals und Verbesserung der Liquidität auch klare Signale zu aktiver Vertriebsunterstützung und zur Erhöhung der Kundenzufriedenheit (Bestandteil der Unternehmensleitlinien).
Zusätzlich wurden im Kreditmanagement eigene Ziele gesetzt, unter anderem zu umfassender und aktueller Informationsbeschaffung für Neu- und Bestandskunden.
Ein wesentliches Detailziel daraus ist der Übergang von der statischen, zeitpunktbezogenen Bonitätsbetrachtung eines Kunden zur dynamischen Bonitätsbeobachtung (Monitoring) der beim Kunden stattfindenden Veränderungen aller Art („wir wollen Veränderungen beobachten, erkennen, bewerten und mit angemessenen Maßnahmen behandeln“).
Über den Autor
Rudolf Keßler leitet die Kreditabteilung der BayWa-Zentrale in München. Er ist seit Jahren ein Verfechter der qualifizierten Ausbildung von Sachbearbeitern im Kreditmanagement und hat das im eigenen Unternehmen mit einem strukturierten Programm umgesetzt. Im Verein Credit Management e.V. engagiert er sich seit Mitte 2002 als Regionalkoordinator und Mitglied des Vorstands für die Qualifizierungslehrgänge zum Certified Credit Manager und Certified Credit Controller sowie für ein insgesamt professionelleres Kreditmanagement in deutschen Unternehmen.



