Eine Branche und ihr Ruf

Eine Branche und ihr Ruf
Inkasso
Eine Branche und ihr Ruf

Dass der Ruf der Inkassobranche nicht der beste ist, wird auch von Branchen-Insidern nicht bestritten. Meistens wird jedoch betont, dass nur einige wenige „schwarze Schafe“ und vor allem eine reißerische Berichterstattung in den Medien für das Bild der Branche verantwortlich seien.

Inkasso ImageAuch den Presseveröffentlichungen des Bundesverbandes der Inkassounternehmen BDIU ist zu entnehmen, dass der Verband der Meinung ist, nur einig wenige „schwarze Schafe“ seien für das öffentliche Bild der Branche verantwortlich.

Es ist sicher richtig, dass ein Teil der öffentlichen Wahrnehmung auch durch schwarze Schafe verursacht wird. Die Vorgänge um die Berliner Zentral Inkasso zeigen, wie lange es dauern kann, einem Unternehmen die Inkassoerlaubnis zu entziehen und leisten natürlich der öffentlichen Meinung entsprechend Vorschub. Doch Einzelfälle allein können nicht der Grund für den Ruf einer ganzen Branche sein.

Seriöse Branche – Katastrophaler Ruf

In unseren vielen Gesprächen mit Mitarbeitern der Branche wurde deutlich, wie angekratzt der Ruf der Branche ist. So erklärten mehrere Befragte, sie würden im privaten Kreis Ihren Beruf nur ganz allgemein mit „in der Finanzbranche“ angeben, um die ansonsten unvermeidlichen Diskussionen über die Inkassobranche gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Aber wie kann es dazu kommen, dass eine Branche, die eine für die Wirtschaft durchaus wichtige Dienstleistung erbringt, in der Öffentlichkeit so negativ gesehen wird?

Ein Grund ist sicherlich die Tätigkeit an sich. Forderungen eintreiben zu müssen, ist für alle Beteiligten eher unangenehm, aber es bestehen auch weitere Vorbehalte gegen die Branche.

In unseren Gesprächen wurde deutlich, dass Unternehmen und Verbraucher die fehlende Transparenz der Branche beklagen. So sind viele Unternehmen der Branche bis heute nicht im Internet vertreten (siehe Artikel Nur ein Drittel der Inkasso-Unternehmen hat eine Webseite).

In unseren Gesprächen kritisierten auch Unternehmer, die selbst Inkasso-Dienstleistungen in Anspruch nehmen, die mangelnde Transparenz. Eine Marktübersicht oder ein Kosten-Nutzen-Vergleich werde auch durch fehlende Informationen im Internet erschwert.

Inkasso-Gebühren oftmals Grund für Verdruss

Die Gebühren für das Eintreiben von Forderungen, werden aggressiv beworben. Aussagen wie „Inkasso kostenlos“ und „geringe Kosten für Gläubiger“ sind auf vielen Webseiten zu finden.
Die Kosten jedoch, die dem Debitor entstehen, werden dabei häufig nicht erwähnt. Aber gerade diese Kosten sind ein häufiger Grund für die Beschwerden der Debitoren.

Bei unseren Recherchen haben wir Schreiben von Inkassounternehmen gesehen, bei denen ein Forderungsbetrag von 9,90 Euro innerhalb weniger Wochen auf eine Gesamtforderung von über 125,00 Euro gestiegen ist. Nämlich um Kostenaufwand, Zinsen und Gebühren.

Es lässt sich hier festhalten, dass selbst wenn diese Kosten, Zinsen und Gebühren berechtigt sind und allen gesetzlichen Vorgaben genügen, sie einem Betroffenen nur schwer vermittelbar sind.

Schaden auch für Auftraggeber

Der Kunde macht in der Regel keinen Unterschied zwischen den Auftraggeber und dessen Inkassobüro.

Nicht nachvollziehbare, in keinem Verhältnis stehende Kosten und der damit verbundene, oft auch berechtigte Ärger der Kunden schädigen somit vor allem auch den Ruf des Auftraggebers. Wie schnell sich der Ärger der Kunden mit Hilfe des Internets heutzutage verbreiten kann, mussten bereits viele Unternehmen der verschiedensten Branchen schmerzlich erfahren.

Somit kann die Wahl des falschen Inkassopartners auch für den Auftraggeber schnell zu einem echten Wettbewerbsnachteil werden.

Darüber hinaus entziehen überzogene Inkassokosten den Kunden des Unternehmens Liquidität. Die 100 Euro, die der Kunde für Inkassokosten aufbringen muss, stehen nicht mehr für den Einkauf beim Auftraggeber zur Verfügung.

Nicht alle Unternehmen sind gleich

Wir haben während unserer Recherchen auch viele Unternehmen kennen gelernt, die einen informativen Webauftritt haben und die Kosten, sowohl für Debitor als auch Kreditor (oder Schuldner /Gläubiger) offen kommunizieren, sowie auch über ein hervorragendes Beschwerde- und Qualitätsmanagement verfügen.

Transparenz und Offenheit nützen der Branche

Diese Unternehmen haben verstanden, dass Transparenz und Offenheit einen echten Wettbewerbsvorteil bieten. So ist der Ruf des Inkassopartners für immer mehr Auftraggeber ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl ihres Dienstleisters. Zusätzlich erleichtert es die Realisierung der Forderungen erheblich, wenn der Debitor sich nicht über das Inkassounternehmen ärgert.

Über den Autor

Ralf Teuber ist als freier Unternehmensberater im Bereich Forderungsmanagement tätig und hat sich auf Analyse und Reporting spezialisiert.

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