Hochgradige Abhängigkeit von Kupferexporten gefährdet Wachstum

Wiesbaden – Trotz guter politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und umfangreicher natürlicher Ressourcen leidet Chile derzeit offensichtlich an der sogenannten "Holländischen Krankheit". Der Kreditversicherer Delcredere führt die wirtschaftlichen und kurzfristigen politischen Risiken Chiles aktuell zwar in den jeweils niedrigsten Risikostufen. Sowohl die Leistungsbilanz als auch der Wechselkurs des Landes sind jedoch extrem von seinen hohen Kupferexporten abhängig. So macht der Export dieses Metalls rund 45 Prozent der Leistungsbilanzeinnahmen aus. Das kann sich negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit anderer Exportwaren auswirken und letztlich die gesamte Wirtschaftskraft schwächen. Zusätzlich wird die Leistungsbilanz stark von der Konjunkturentwicklung Chinas beeinflusst: Das Reich der Mitte ist Chiles wichtigster Handelspartner.
Energie ist kritischer Faktor für weitere Entwicklung
Auf der Seite der Einfuhren ist Chile im Vergleich zu anderen Ländern Lateinamerikas enorm von Energieimporten abhängig, da das Land über keine eigenen Vorkommen fossiler Brennstoffe verfügt. Der Import von Energie aus den Nachbarländern wie Bolivien oder Argentinien ist jedoch problematisch. Maßnahmen zur Entwicklung alternativer Energiequellen im Land sind teilweise ausgesetzt worden. "Sollte es Chile nicht gelingen, selbst mehr Energie zu produzieren, könnte dies die langfristigen Wachstumsaussichten des Landes stark beeinträchtigen", sagt Christoph Witte, Deutschland-Direktor von Delcredere. "Investitionen in die Energieerzeugungskapazität sind daher dringend notwendig."
Stabile wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen
Die makroökonomischen Rahmenbedingungen im Land sind solide. In den vergangenen Jahren konnte Chile durchschnittlich einen positiven Saldo des Primärhaushaltes vorweisen. Die Staatsverschuldung ist seit der weltweiten Wirtschaftskrise sowie dem schweren Erdbeben und dem Tsunami im Jahr 2010 gestiegen, liegt aber weiterhin auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau von 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Nicht zuletzt ist Chiles Finanzsystem weit entwickelt. Kredite sind weit verfügbar, was die Binnennachfrage belebt und den Unternehmen den Zugang zu finanziellen Mitteln erleichtert. Für das Jahr 2011 liegt die Wachstumsprognose des Bruttoinlandsprodukts bei 6,5 Prozent. Auch 2012 dürfte die Wirtschaft dank Investitionen und starker inländischer Nachfrage deutlich wachsen. Die unternehmerfreundliche Politik begünstigt das Wachstum. Trotz Massenprotesten gegen das schwache Bildungssystem, einer vergleichsweise geringen Zustimmung für die Regierung unter Präsident Sebastian Pinera und einigen Territorialkonflikten mit Nachbarländern ist die Demokratie in Chile sehr stabil.








