
Absprache des Ämtertauschs hat Russland politisch zurückgeworfen
Wiesbaden – In Russland steigt das Risiko politischer Unruhen. Als im vergangenen Herbst öffentlich wurde, dass ein erneuter Antritt Wladimir Putins bei der Wahl zum Präsidenten lange abgesprochen gewesen sei, kam es zu Massendemonstrationen. Der Ämterhandel der Eliten, vorbei am Willen des Volkes, machte die Spannungen im Land offenbar. Dazu kommt: Der Nordkaukasus befindet sich weiter am Rande eines Bürgerkriegs. Unter diesen Vorzeichen finden am 4. März die nächsten Präsidentschaftswahlen statt. Dennoch stuft der Kreditversicherer Delcredere das kurzfristige politische Risiko für Russland mit der Länderklasse 2 als gering ein. Denn die Auslandsverschuldung ist niedrig. Mit den drittgrößten Devisenreserven aller Länder verfügt Russland über ausreichend Liquidität.
Sehr hohe Abhängigkeit von Rohstoffexporten
Rund die Hälfte der Staatseinnahmen Russlands machen Zahlungen der Öl- und Gasindustrie aus, Öl und Gas zusammengenommen sind für fast zwei Drittel der Exporte verantwortlich. Dagegen kommt die verarbeitende Industrie auch 20 Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht auf Touren. Voraussetzung für neue Impulse sind Investitionen und neue Technologien - sie gibt es aber nur bei Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Und betrachtet man die jüngst positive Entwicklung der Rohstoffpreise, erscheint die gesamtwirtschaftliche Erholung nach der Krise als unzureichend. Deshalb stuft Delcredere das Geschäftsrisiko in Russland in der Kategorie C als hoch ein. "Die steigenden Einnahmen der Öl- und Gaswirtschaft haben es Russland lange erlaubt, seinen industriellen Abstieg zu verbergen. Aber die Schwächen sind strukturell - deshalb waren die Auswirkungen der Krise in Russland besonders offensichtlich", erläutert Christoph Witte, Deutschland-Direktor von Delcredere. Erfolg und Misserfolg einer erneuten Wahl Putins stehen daher weiter in engem Zusammenhang mit der Entwicklung der Rohstoffpreise. Die politische Unsicherheit wird genährt von der Tendenz, dass Fachkräfte und Kapital das Land verlassen.
Wechselhafter Ausblick für einen großen Staat
Langfristig braucht Russland ein stabiles politisches Modell und einen Aufbruch in eine Phase der Erneuerung, sonst ist der wirtschaftliche Erfolg in Gefahr. Noch stärker hängt dieser allerdings davon ab, ob es dem Land gelingt, neue Impulse für die Industrie zu setzen und die hohe Abhängigkeit vom Rohstoffexport unter dem Strich zu verringern. Die hohen Öleinnahmen sprechen auch in Zukunft für eine solide Zahlungsfähigkeit. Allerdings steht das Land zusätzlich vor großen sozialen Herausforderungen. Die Zahl der Erwerbstätigen sinkt, die Arbeiterschaft altert. Von den Auswirkungen interner Widerstände seitens Regierungsbeamten und der Staatsverwaltung wird es abhängen, ob und wie schnell Privatisierungen umgesetzt werden können. Nach wie vor kontrolliert der russische Staat die Hälfte der gesamten Wirtschaft.








